Samarkand

Samarkand

Usbekistan & Kirgisistan

Seidenstraße & Schneeberge – zwischen blauen Kuppeln und kirgisischen Jurten

Reisezeitraum: April 2026

Usbekistan und Kirgisistan — zwei Länder, über die ich vor dieser Reise fast nichts wusste. Es war gleichzeitig unsere Testreise mit unserem Partner Chamäleon: Wir verkaufen solche Kleingruppenreisen schon länger für das passende Klientel und wollten endlich selbst erleben, wie sich das anfühlt — mit Bus, Gruppe und festem Programm. Was uns dabei erwartete, hat uns in sehr unterschiedlicher Weise überrascht. Und zwar positiv!


Auf der Seidenstraße: Chiwa, Buchara, Samarkand

Los ging es in Chiwa, wo unser Hotel mitten in der Altstadt in einer ehemaligen Madrassah (Koranschule) liegt. Der erste Rundgang durch die Lehmfestung ist wie eine Zeitreise: Lehmmauern, Minarette, Basare und zwischendrin Bäcker, die noch im traditionellen Ofen backen. Abends dann das erste richtige usbekische Essen — Salate, eine Suppe mit Fleischkloß, grüne Nudeln mit viel Dill und Rindfleisch. Dazu usbekischer Vodka, erstaunlich mild. Uns wurde schnell klar: Die Befürchtung, zwei Wochen lang eher spartanisch zu leben, wird nicht eintreten!

Von Chiwa ging es 450 km quer durch die Wüste nach Buchara. Dort durften wir bei einer usbekischen Familie Manti machen und mitessen — gefüllte, gedämpfte Teigtaschen, frisch aus dem Dampftopf. Buchara erzählt Geschichten: über Hochzeitsbräuche, die traditionelle Wiege und warum deshalb viele Usbeken einen geraden Hinterkopf haben. Dass ausgerechnet an unserem Besuchstag der Präsident in der Stadt war und überall Polizei, Militär und Scharfschützen standen, machte den Tag noch ein bisschen besonderer — aus dem geplanten Puppentheater wurde kurzerhand eine Modenschau mit traditioneller Musik. Auf dem weiteren Weg nach Samarkand besuchten wir noch die Töpferei von Meister Alisha und das Haus eines großen Kaufmanns aus dem 19. Jahrhundert.

Samarkand schließlich ist die Legende der Seidenstraße — und offenbar meine größte Bildungslücke: Ich hatte vorher kaum etwas von dieser Stadt gehört. Die blauen Kuppeln, der Registan-Platz, die Medresen, das Gur-Emir-Mausoleum — das ist Geschichte zum Anfassen. Abends kehrten wir nochmal an den Registan-Platz zurück, diesmal zu einer beeindruckenden Licht-Show, und ließen den Tag in der Pub-Street mit leckeren Getränken und Wasserpfeife ausklingen. Ebenso beeindruckend: das Observatorium von Ulugh Beg, einem Astronomen aus dem 15. Jahrhundert. Er hat die Länge eines Jahres auf weniger als eine Minute genau berechnet. Eine Meisterleistung.


Usbekische Küche: Plow, Dill und Baumwollsamenöl

Man reist nicht durch Usbekistan, ohne beim Essen hängenzubleiben. Das Nationalgericht ist Plow — ein Reisgericht, das in einem großen gusseisernen Kessel (Kazan) mit Rindfleisch, Möhren, Zwiebeln und Knoblauch gedämpft wird. Nicht gekocht, sondern eben gedämpft — damit der Reis alle Aromen aufnimmt. Über 200 Varianten soll es geben, in Samarkand anders als in Taschkent, oft Familienrezepte halt. Wir hatten das Glück, die Samarkand-Version bei einer einheimischen Familie zu kosten.

Spannend war auch der Besuch einer Papiermanufaktur. Aus der Rinde der Maulbeerbäume wird dort bis heute handgeschöpftes Papier gemacht — zum Schreiben, zum Drucken und sogar zum Taschen-Nähen. Im selben Hof wird ein spezielles Öl für den Plow gepresst: aus Leinsamen, Sesam, Baumwollsamen und Honigmelonenkernen. Geschmacklich für sich genommen seltsam, im Plow aber genau die richtige Würze.


Taschkent: Moderne Hauptstadt, herzliche Gastgeber

Von Samarkand ging es mit einem modernen Schnellzug nach Taschkent — pünktlich, sauber, mit Kaffee und Gebäck am Platz. Mit rund 3,1 Millionen Einwohnern ist Taschkent die größte Stadt Zentralasiens und eine Mischung aus moderner und sowjetischer Architektur. Wir besuchten die Hasrati-Imam-Moschee mit ihren hübschen Kuppeln und die Bibliothek, in der der älteste Koran der Welt aufbewahrt wird. Dazu der riesige Chorsu-Basar mit seiner Brotbäckerei, eine Fahrt mit der berühmten Metro (jede Station ein Kunstwerk) und ein Mittagessen bei einer usbekischen Familie. Hier verabschiedeten wir uns von unserem großartigen Guide Adis.


Kirgisistan: Wie eine ganz andere Reise

Der Flug nach Bischkek ist nur ein kurzer Hopser — aber wir landen in einer komplett anderen Welt. Wo Usbekistan (zumindest auf unserer Reise) Städte, Moscheen und Handel ist, ist Kirgisistan Berge, Weite und Nomadentum. Im Museum verstehen wir auch warum: Die Usbeken sind seit Jahrtausenden sesshaft, die Kirgisen waren bis zur Sowjetzeit immer Nomaden. Das prägt bis heute alles — die Lebensweise, das Essen, die Landschaft.

In Bischkek stellte uns Chamäleon ein bewegendes Sozialprojekt vor, das Menschen mit Behinderungen im Alltag unterstützt — wirklich beeindruckende Arbeit. Anschließend besuchten wir eine kirgisische Familie, die uns den Aufbau einer traditionellen Jurte zeigte und uns die Beschik-toi-Zeremonie (das traditionelle Wiegenfest für Neugeborene) näherbrachte.

Auf dem Weg zum Yssykköl-See — dem zweitgrößten Bergsee der Welt — besuchten wir einen Falkner. Nach einer kleinen Flugshow durften wir einen Adler auf dem Arm halten: ein imposantes Tier. Eine Wanderung durch die Märchenschlucht mit ihren bizarren Felsformationen rundete den Tag ab. Abends kam im Jurtencamp eine kirgisische Musikerfamilie vorbei und brachte uns die traditionelle Musik näher. Morgens sind −2 Grad vor der Jurte. Dafür klare Luft, Schnee auf den Vier-, Fünf- und Siebentausendern und eine Stille, wie man sie in Europa fast nicht mehr findet.


Durch die roten Felsen: Dscheti-Ögüs, Karakol und Tschong-Kemin

Eine Bootstour auf dem eiskalten Yssykköl-See mit einem Glas Krim-Sekt, ein Besuch im Petroglyphen-Freilichtmuseum mit jahrtausendealten Felszeichnungen — und dann weiter durch das Dscheti-Ögüs-Tal, bekannt für seine markanten roten Felsformationen. In einer Frauen-Filzkooperative zeigte man uns das traditionelle Nass- und auch Trockenfilzen, und wir zogen mit selbstgemachten Filzpantoffeln wieder weiter.

In Karakol besuchten wir eine komplett aus Holz gebaute russisch-orthodoxe Kirche und eine hölzerne Dunganen-Moschee — zwei architektonische Kuriositäten, die es so nur hier gibt. Unsere nächste Unterkunft war die Pferdefarm Reina Kench, auf der Pferde, Schafe und Rinder gezüchtet werden. Weiter ging es ins Tschong-Kemin-Tal — eine Berglandschaft, bei der man sich am liebsten einfach absetzen lassen und bleiben würde.


Ulak Tartisch: “Ziegenziehen” auf dem Pferd

Eines der verrücktesten Erlebnisse der Reise: Wir werden mit Pferdekutschen zu einem Dorfwettkampf gebracht. Gespielt wird Ulak Tartisch — übersetzt “an der Ziege zerren”. Eine Mischung aus Polo und Rugby, gespielt auf dem Pferd, mit voller Geschwindigkeit. Gerangelt und geschoben wird ordentlich. Der “Ball” ist tatsächlich eine tote Ziege, die im Anschluss vom Siegerteam gegessen wird. Für uns treten die Jungs aus dem Dorf gegeneinander an. Zum Mittag gibt es — natürlich — Plow, auch hier so etwas wie Nationalgericht mit nochmal neuen Rezepturen. Gerne wären an diesem Ort länger geblieben.


Unser Fazit

Es war eine wirklich tolle Reise — in durchaus sehr unterschiedlichen Teilen.

Die Organisation von Chamäleon Reisen war durchgehend sehr professionell, die Reiseleitung mega-engagiert, die Gruppe angenehm. Das Konzept Kleingruppenreise haben wir für uns nicht bereut. Man darf sich reiben und führen lassen, erlebt viel und erhält reichlich Infos — und lernt die Länder tatsächlich authenthischer kennen, als wir es je gedacht hätten.

Usbekistan war beeindruckend — und definitiv eine Reise wert. Wer sich für islamische Architektur, Handwerk und die großen Handelswege der alten Welt interessiert, ist hier genau richtig. Für uns persönlich war es das aber auch: Es geht hauptsächlich um Städte, Moscheen und Medresen. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, denn es ist großartig und beeindruckend , aber einmal sehen reicht.

Kirgisistan hingegen ist ein echtes Highlight — und hat uns beide völlig überrascht. Außerhalb von Bischkek prägen atemberaubende Natur und gewaltige Berge das Land. Der Yssykköl-See, die Märchenschlucht, das Tschong-Kemin-Tal — hier steckt noch viel mehr drin, als eine geführte Gruppenreise zeigen kann. Man findet hier ausgezeichnete Offroadstrecken und darf praktisch überall wild campen. Ein Land, das geradezu einlädt, so unterwegs zu sein, wie wir das aus Namibia gewohnt sind — auf eigene Faust, abseits der ausgetretenen Pfade, ohne festen Zeitplan.

Wir kommen auf jeden Fall wieder. Dann mit einem vor Ort gemieteten Geländewagen mit Dachzelt und einem lokalen Guide — um das Land auf unsere Art zu erkunden und das Konzept für unsere interessierten Kunden zu testen, von denen wir überzeugt sind, dass es diese gibt.

Wer bei der Erkundungstour dabei sein oder mehr darüber erfahren möchte — meldet euch einfach bei uns! Im Juli / August 2027 wird es losgehen…

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